Die Klostergemeinschaft

Marienthal ist einer von vielen Orten auf der Welt, an denen Karmeliter „in der Fußspur Jesu Christi" (Prolog der Ordensregel) als brüderliche Gemeinschaft das Angesicht Gottes in der Welt suchen.

Nachdem die Augustiner-Eremiten das Kloster 1806 verlassen mussten, wurde nach genau 180 Jahren, 1986, die klösterliche Tradition von den Karmelitern der Niederdeutschen Ordensprovinz wieder aufgenommen.

Stehen vor Gott

Bruder ManfredEs gehört zum Charisma des Karmeliterordens, im Gebet vor Gott zu stehen, nach dem Wort des Propheten Elija: „Gott lebt, und ich stehe vor seinem Angesicht" (1 Kön 17,1). Wie Maria, die Mutter Jesu, wollen wir täglich auf Gottes Wort hören und es mit Leben füllen. Sein Wort soll Mittelpunkt unseres Lebens und Handelns sein.

Das „Stehen vor Gott" im Gebet richtet unseren Blick auch auf die Menschen. Wir möchten ihre Freuden und Ängste mit ihnen teilen und sie zu einem tieferen Glauben an Gott und zu mehr Menschsein ermutigen. Im Zuhören und im miteinander sprechen wollen wir das Gute und Lebensfördernde, das Göttliche im Menschen und in seinen vielfältigen Beziehungen, zur Sprache bringen.

Dies geschieht konkret in der uns vom Bischof anvertrauten Pfarrgemeinde Marienthal, in Geistlicher Begleitung (Einzelexerzitien), Kirchenführungen und bei der gemeinsam verrichteten Arbeit in Haus und Garten.

Leben nach der Ordenregel

Türgriff mit KarmelzeichenIn unserem Lebensstil bemühen wir uns um Brüderlichkeit und Einfachheit. Nach der Ordensregel soll keiner etwas als sein Eigentum betrachten, sondern alles soll allen gemeinsam sein. Jeder soll erhalten, was er braucht. Das Leben in einer brüderlichen Gemeinschaft bedeutet zugleich, dass sich jeder in seiner Stärke und seiner Schwachheit angenommen weiß.

Das Gebet - gleichsam der „natürliche Atem" des Karmelordens - suchen wir in der Feier der Liturgie und im persönlichen Gebet zu verwirklichen. Dabei bildet die tägliche Eucharistiefeier den Höhepunkt. Daneben kommen wir viermal am Tag in der Klosterkirche zusammen zum Chorgebet. Zu diesem öffentlichen Stundengebet der Kirche und der Eucharistiefeier laden wir alle Interessierten ein.

Unter dem Schutz von Titus Brandsma

Titus BrandsmaWir haben unseren Konvent unter den Schutz des seligen Karmeliters Titus Brandsma (Märtyrer, 1942 im KZ Dachau ermordet) gestellt. Unser Anliegen finden wir in seinem Leben verwirklicht und in seinen Worten zum Ausdruck gebracht:
„Wir Karmeliter sind nicht dazu berufen, im öffentlichen Leben großartige, auffallende und lebhaft besprochene Dinge zu tun. Das wäre gegen die Einfachheit, die wir praktizieren wollen. Aber es ist doch unsere Pflicht, die gewohnten Dinge in großartiger Weise zu tun. Das heißt: mit einer lauteren Absicht und dem Einsatz unserer ganzen Persönlichkeit. Wir verlangen nicht, vorne zu stehen und bejubelt zu werden wegen unserer Leistungen, von denen die Menschen der Welt eine hohe Meinung zu haben pflegen. Wir möchten nur auffallen durch unsere Einfachheit und unsere Aufrichtigkeit".