Augustinus Winkelmann und die Jugend

Als Augustinus Winkelmann seine theologische Ausbildung beginnt, hat sich im Deutschland des beginnenden 20. Jahrhunderts eine starke Jugendbewegung gebildet. So unterhält er während seiner Zeit als Kaplan bereits enge Kontakte zur Jugend des Quickborn, einem Mitglied der katholischen Jugendbewegung.

Er beschäftigt sich mit den Schriften Romano Guardinis, der zu den Begründern der liturgischen Bewegung gehört. Sein zentrales Anliegen war die "Weltzuwendung aus der Mitte des Glaubens" und er sah "die eigentliche Würde des Menschen im Vollzug der Liturgie". Dabei stand nach wie vor die tätige Teilnahme an der Liturgie im Vordergrund. Wichtiges Instrument war dabei die Verwendung der Volkssprache anstatt des bisher üblichen Lateins. Auch die Feier der Osternacht und die Verwendung des Volksaltars waren wichtigen Elemente.

Pfarrer Winkelmann übernimmt zahlreiche Anregungen. 1928 feiert er das Osterfest am frühen Morgen und betet Vesper und Komplet in deutscher Sprache. Marienthal entwickelt sich zu einem geistigen Zentrum der katholischen Jugendbewegung. Immer wieder gelingt es Winkelmann über die Auseinandersetzung mit der modernen sakralen Kunst eine Diskussion über Inhalte des Glaubens anzuregen. Die renovierten Klosterzellen über dem Kreuzgang dienen als Herberge.

Pfarrer Winkelmanns Engagement für die Jugend wird von den Nationalsozialisten 1941 beendet. Die Gestapo versiegelt die Tür zum Zellentrakt und überwacht dieses Verbot. Bis zum Ende des Krieges ist es Jugendgruppen nicht mehr möglich nach Marienthal zu kommen oder sich gar in der Nähe des Klosters aufzuhalten.